Was ist Pitchen?
Aufgrund der immer schnelllebigeren Welt, brauchen Sie gute Argumente und einen idealen Auftritt, um Ihr Gegenüber von sich zu überzeugen. Im Hinblick auf die Vielzahl an Bewerbern sollten Sie dabei wissen, wie Sie die Aufmerksamkeit Ihres Gegenübers gewinnbringend auf sich ziehen. Genau diese Fähigkeit wird in Fachkreisen als „Pitchen“ bezeichnet. Was sich dahinter verbirgt und wie Sie das Pitchen richtig erlernen sowie anwenden, das erfahren Sie im heutigen Beitrag.
Was ist ein Pitch?
Pitch steht im Marketing, dem Vertrieb und bei Start-ups für die bestmögliche Präsentation der eigenen Leistung, Möglichkeiten, Geschäftsideen oder Produkte in kürzester Zeit so überzeugend darzustellen, dass man sein Ziel erreicht. Dies kann bedeuten, einen Kunden zu gewinnen oder auch einen Investor zu erhalten.
Der Begriff „Pitch“ stammt dabei ursprünglich aus dem Bereich der Werbeagenturen, wo die unterschiedlichen Dienstleister unmittelbar vor dem Endkunden gegeneinander in den Wettkampf um einen bestimmten Auftrag gehen. Dort pitchen die Konkurrenten also gegeneinander und versuchen dem Kunden, in kurzer Zeit alle Alleinstellungsmerkmale, Vorteile und Chancen der eigenen Marke, des Produkts, der Dienstleistung etc. zu präsentieren. Ziel ist es natürlich, den Auftrag zu erhalten und den Kunden von sich zu überzeugen.
Wer nutzt das Pitchen?
Das Pitchen lässt sich in den unterschiedlichsten Bereichen nutzen, zum Beispiel im Marketing, bei Start-ups oder inzwischen auch von Privatpersonen. Hier ist gerade das Pitchen für Bewerbungen sehr beliebt und gewinnt immer mehr an Bedeutung. Mehr darüber erfahren Sie weiter unten im Beitrag.
Welche Ziele hat das Pitchen?
Das Pitchen verfolgt in erster Linie das Ziel, sich in kurzer Zeit so gut wie möglich zu präsentieren. Dabei kommen dann noch weitere positive Effekte hinzu, wie:
- Das klare Herausarbeiten von Alleinstellungsmerkmalen
- Stetige Wettbewerbsfähigkeit
- Bessere Selbstreflexion und Selbstwahrnehmung
- Das Auseinandersetzen mit den eigenen Stärken/Schwächen/Erwartungen/Zielen und Kompetenzen
- Eine permanente Weiterentwicklung
Insgesamt erweist sich das Pitchen daher auch außerhalb der beruflichen Branche als zielführend, wenn es darum geht, sich aktiv mit den eigenen Fähigkeiten und Defiziten auseinanderzusetzen sowie klar zu formulieren, was Sie sind und wohin Sie beruflich wollen.
Welche Arten des Pitchens gibt es?
Es gibt drei Hauptarten des Pitchens, darunter:
1. die Aufzugspräsentation (Elevator Pitch)
Ein Elevator Pitch überdauert nur etwa 30 Sekunden, in denen die Personen versuchen, alles Wesentliche über ihr Start-up oder die Geschäftsidee darzustellen. Es gibt keine weiteren Unterlagen zur Präsentation, sondern nur den Pitcher und den Kunden/Investor. Der Begriff entstammt dabei den Anfängen der Start-ups, wo diese mitunter eine gemeinsame Aufzugsfahrt mit potenziellen Investoren als einzige Chancen hatten, um von ihrem Konzept zu überzeugen und bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
2. der Start-up Pitch
Hier findet eine etwas längere Variante der Selbstpräsentation statt. Die Unternehmen laden bewusst zum Gespräch ein, sodass das junge Start-up eine feste Zeitspanne erhält, in welcher es das eigene Geschäftskonzept präsentieren sowie mit passenden Folien untermalen darf. Die Aufmerksamkeit sollte dabei weiterhin auf knappen und gut durchdachten Darstellungen liegen, denn meist schenken die Unternehmen nicht nur einem Start-up ihre Zeit, sodass man durchaus zwischen mehreren Mitbewerbern herausstechen und mit seinen Angaben fesseln muss.
3. Speed-Pitching
Speed-Pitching basiert locker auf dem Konzept des Speed-Datings. So gibt es Veranstaltungen, bei denen junge Unternehmer die Gelegenheit erhalten, in einer etwa 3-5 minütigen Präsentation einen Kunden/Auftraggeber/Investor von ihrem Vorhaben zu überzeugen. Ist die Zeit abgelaufen, wechseln sie zu dem nächsten anwesenden Interessenten. Hier können Start-ups viele potenzielle Kooperationspartner binnen kürzester Zeit treffen, was natürlich auch für jene gilt, die in einem begrenzten Zeitrahmen die Gelegenheit erhalten, zahlreiche Jung-Unternehmer kennenzulernen, um vielleicht eine neue Zusammenarbeit in Erwägung zu ziehen.
Was ist ein Pitchdeck?
Pitchdecks sind die Folien, die eine Person bei dem Pitching verwendet, um ihren Vortrag visuell zu untermalen und den Kunden/Investoren wesentliche Fakten noch einmal vor Augen zu führen. Die Folien müssen hierbei ebenso kompakt und qualitativ sein wie das gesamte Pitching selbst. Daher gilt:
- Vermeiden Sie mehr als 10 Folien
- Nutzen Sie professionelle Tools wie Powerpoint zum Erstellen der Pitchdecks
- Verzichten Sie auf lange Textpassage
- Formulieren Sie klare und kurze Kernaussagen
- Seien Sie individuell in der Gestaltung und Präsentation
- Überfrachten Sie die Kunden/Investoren nicht, lieber wenige Farben, einheitliche Darstellungen und ansprechende Grafiken
- Stimmen Sie die Folien auf den Vortrag ab, es muss authentisch wirken
- Die Folien sollen den Pitch verstärken, nicht von ihm ablenken
Pitchen bei Bewerbungen
Das Pitchen wird immer beliebter und wichtiger, auch im Bewerbungsprozess. Es folgt dabei zwei Grundfragen:
- Was zeichnet mich aus, dass ein Unternehmen genau mich kennenlernen/einstellen sollte?
- Welche Vorteile bringe ich für das Unternehmen mit
Unter diesen zwei Leitfragen lassen sich drei Arten des Pitchens zusammenfassen:
- Der schriftliche Pitch durch alle Bewerbungsunterlagen, Zeugnisse, Referenzen etc., die den Arbeitgeber von Ihren Kompetenzen überzeugen
- Der Online-Pitch durch sämtliche Aspekte, die ein Unternehmen von Ihrer Person sowie Ihrem Werdegang im Netz findet, zum Beispiel durch ein gut aufgestelltes XING/LinkedIn Portfolio
- Der verbale und optische Pitch, die Sie liefern, indem Sie bei Vorstellungsgesprächen, auf Messen, bei Eignungstest-Workshops durch Ihre Art zu kommunizieren sowie Ihre nonverbale Fähigkeit, Menschen in Ihren Bann zu ziehen, überzeugen
Wie pitche ich bei einer Bewerbung?
Generell setzt das Pitchen eine gute Vorbereitung voraus, wozu auch eine richtige Selbsteinschätzung und Reflexion sowie die korrekte Sichtung der Stellenanzeigen gehören. Um erfolgreich zu pitchen, sollten Sie daher einem festen Konzept folgen, welches wir Ihnen kurz erläutern möchten.
Schritt 1
Formulieren Sie zu dem Satzanfang „ich bin“ rund drei bis vier Stichpunkte unter der Berücksichtigung der Persönlichkeit (Stärken/Schwächen), der Arbeitsweise, der individuellen Alleinstellungsmerkmale
Beispiel: Ich bin eine selbstbewusste, manchmal etwas zu forsche Person, die eine hohe Zuverlässigkeit mitbringt und in ihrem Job gerne neue Aufgabenbereiche ergründet.
Schritt 2
Formulieren Sie zu dem Satzanfang „ich kann“ 5-6 Verben, die sich auf Ihre Arbeitsweise, Ihre Eigenschaften und Ihre Kompetenzen berufen.
Beispiel: Ich kann schnell, kommunikativ, vorausschauend, zuverlässig und eigenverantwortlich arbeiten.
Schritt 3
Formulieren Sie zu dem Satzanfang „ich will“ rund 3 Ziele, was Sie mit dem Job erreichen wollen.
Beispiel: Ich will mich beruflich neu orientieren, ich will in fünf Jahren eine leitende Position einnehmen, ich will in dem Unternehmen meine Kompetenzen als Gesundheitsberater unter Beweis stellen.
Schritt 4
Begeben Sie sich in die Perspektive des Arbeitgebers und schauen Sie auf die Stellenanzeige. Wie bewirbt das Unternehmen sich selbst, die gesuchte Position, die Erwartungen an Bewerber?
Notieren Sie sich dazu entscheidende Schlagwörter und schauen Sie auf der Homepage, gegebenenfalls in anderen Bewerbungen des Unternehmens nach, ob Sie entsprechende Darstellungen dort auch finden. Formulieren Sie so eine erste Übersicht, was das Unternehmen wahrscheinlich auszeichnet, was es sucht und was es erwartet. Beispiel: Ein modernes Massagestudio sucht einen Fachpraktiker, der die fernöstlichen Techniken beherrscht und zeitlich flexibel sowie ortsungebunden arbeiten will.
Schritt 5
Vergleichen Sie Ihre drei Bereiche mit den dazugehörigen Schlagwörtern und die Kenntnisse, die Sie über das Unternehmen haben. Je mehr Übereinstimmungen Sie finden, desto besser, denn dies sind Ihre Pitch-Argumente.
Beispiel: Ein Unternehmen ist aufstrebend, global und modern. Es bietet eine freie Stelle als Fitnesstrainer für Vollzeit mit Aussicht auf die Leitung einer eigenen Filiale und sucht einen motivierten, zielstrebigen, flexiblen Experten, der auch die Medical Fitness beherrscht. Sie sind ein moderner, zielstrebiger und hoch motivierter Fitnesstrainer, Sie können verschiedene Lizenzen inklusive Medical Fitness, hohe Flexibilität und Belastbarkeit mitbringen und Sie wollen eine Arbeit, bei der Sie sich weiterentwickeln, vielleicht eine Führungsposition erhalten.
Schritt 6
Jetzt versuchen Sie, diese Argumente sowohl auf Ihrem Online-Portfolio, in Ihrem Werdegang oder Ihren Aussagen über sich als auch bei Ihrer Bewerbung und bei Ihrem persönlichen Auftritt in den Vordergrund zu bringen. So erkennt das Unternehmen direkt, dass Sie eine qualifizierte Fachkraft sind, die den Werten und Erwartungen der Firma entspräche und demzufolge in die engere Auswahl kommen könnte!
Sie möchten mehr über das Pitchen oder auch eine erfolgreiche Bewerbung im Wellness- und Präventionsbereich erfahren? Dann sollten Sie einen passenden Online-Lehrgang belegen.
Do´s and Don´ts beim Pitchen
Um das Pitchen richtig zu beherrschen, brauchen Sie vor allem zwei Dinge: Eine optimale Vorbereitung und etwas Übung. Wir möchten Ihnen noch einige wichtige Kriterien vorstellen, die Sie stets beachten oder die Sie unbedingt vermeiden sollten:
Do´s
- Versuchen Sie, mit einer emotionalen Reise/einer authentischen Story zu fesseln
- Nutzen Sie Folien zur Untermalung Ihres Konzepts
- Seien Sie von Anfang an präsent
- Lassen Sie die Anwesenden auch hinter die Kulissen blicken (wie arbeitet das Team, wie sind Ihre Methoden…)
- Seien Sie sowohl bei Ihren Aussagen als auch bei der Gestaltung der Designs einheitlich
- Kennen Sie Ihre Stärken, Potenziale, die Zahlen und Fakten rund um Ihr Unternehmen/Ihre Karriere
- Bereiten Sie sich ausreichend vor und üben Sie das Pitchen Zuhause vor Publikum
Don´ts
- Vermeiden Sie langatmige Erklärungen oder leere Phrasen
- Überfrachten Sie die Anwesenden nicht mit den Folien
- Verzichten Sie auf zu reißerische Erzählungen, viel Eigenlob oder eine übertriebene Selbstdarstellung
- Versuchen Sie nicht, auf konkrete Rückfragen unehrlich oder mit Ablehnung zu reagieren
- Seien Sie höflich und selbstsicher, nicht arrogant und anmaßend
- Improvisieren Sie nicht bei Tatsachen und Fakten, diese müssen Sie kennen
- Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck, also lassen Sie sich nicht zu lange Zeit damit, auf den Punkt zu kommen
- Verzichten Sie unnötige Diskussionen oder negative Aussagen über Mitkonkurrenten/andere Unternehmen
Das Pitchen ist inzwischen eine beliebte Möglichkeit der Selbstdarstellung für Firmenkonzepte, Start-ups oder auch Bewerber geworden, die Sie ebenfalls für Ihre persönlichen Zwecke nutzen können. Beachten Sie dabei stets die passenden Richtlinien und bereiten Sie sich ausreichend vor, dann erreichen Sie vielleicht durch einen prägnanten ersten Eindruck erfolgreiche Ihre Ziele.
