20. Juli 2015
Lesezeit ca. 5 Min.

Wenn es darum geht, den Gesundheitszustand eines Menschen zu messen, kommt häufig der Body-Mass-Index - kurz BMI - zum Einsatz. Er dient als Kenngröße und wird genutzt, um Über-, Unter- oder Normalgewicht festzustellen. Wie sich der BMI errechnet, wie er ausgewertet wird und wieso er besonders für Sportler schlecht geeignet ist, schauen wir uns in diesem Beitrag an.

Body-Mass-Index - die Berechnung

Die Berechnung des BMI ist sehr einfach - denn es sind nur zwei Maße nötig. Neben der Körpergröße wird das Gewicht für die Berechnung herangezogen. Die Formel ist simpel: Man nehme das Körpergewicht in Kilogramm und teile es durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Klingt komplizierter, als es ist - hier noch einmal als kurze Formel:

Körpergewicht/Körpergröße ².

Damit zeigt der BMI das Verhältnis von Gewicht und Größe und soll so Rückschlüsse darüber ermöglichen, ob der Betroffene Normalgewicht hat oder etwas ab- oder zunehmen sollte.

Was bedeuten die Werte?

Bei der Berechnung ist eine Zahl herausgekommen - ohne eine passende Zuordnung ist die allerdings erst einmal wenig aussagekräftig. Als weltweiter Standard zur Bewertung des BMI haben sich die Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO durchgesetzt. Denen zufolge liegt das Normalgewicht bei einem BMI zwischen 18,5 und 24,99.

Da sich die Statur von Frauen und Männern natürlich unterscheidet, hat etwa die Deutsche Gesellschaft für Ernährung einige leicht abweichende Werte vorgegeben. Danach liegt das Normalgewicht bei Frauen bei einem BMI von 19 bis 24, bei Männern dagegen zwischen 20 und 25. Bei einem BMI unter 17,5 gilt ein Erwachsener als magersüchtig - und damit behandlungsbedürftig. Im umgekehrten Fall beginnt bei einem BMI von 30 der Bereich der Adipositas.

Kinder sind ein Sonderfall

Kinder können natürlich nicht nach den Tabellen der Erwachsenen bewertet werden - sie befinden sich in der Entwicklung und ihr Körperbau unterscheidet sich bis zur Pubertät stark von dem eines Erwachsenen. Um ihre Entwicklung trotzdem anhand des BMI bewerten zu können, werden hier deshalb andere Werte vorgegeben. Von der WHO werden Tabellen für Jungen und Mädchen herausgegeben. Grundlage ist dabei der BMI anderer Kinder im selben Alter - wenn der BMI eines Kindes stark nach unten oder oben abweicht, gilt es entsprechend als unter- oder übergewichtig.

Für Kinder gibt es außerdem eine weitere Möglichkeit - sogenannte Perzentilkurven. Der Begriff ist zunächst einmal nicht so wichtig, das Prinzip dahinter ist entscheidend. Für diese Form der Bewertung werden vorhandene Daten andere Kinder des gleichen Alters herangezogen - wenn das Kind zu den 3 Prozent mit den höchsten oder niedrigsten BMI gehört, ist es nicht normalgewichtig. Das Problem: Wenn plötzlich deutlich mehr Kinder übergewichtig sind - wie in den letzten Jahren zunehmend zu beobachten - gelten eigentlich übergewichtige Kinder als normalgewichtig.

Wieso der BMI nicht wirklich aussagekräftig ist

Zwar ist der BMI seit Jahrzehnten eine feste Größe als Zeichen des Gesundheitszustands - und wurde etwa für die Berechnung von Lebensversicherungen herangezogen. Trotzdem gibt es einige gewichtige Kritikpunkte, die ihn denkbar ungeeignet für die Bewertung des Normalgewichts erscheinen lassen. Die Zusammensetzung der Körpermasse - also das Verhältnis von Muskelmasse, Fett und Knochen - wird zum Beispiel überhaupt nicht einbezogen. Muskulös gebaute Menschen gelten nach den Kriterien des BMI deshalb schnell als übergewichtig, auch wenn sie optisch und gesundheitlich in bester Verfassung sind.

Auch die Statur, die sich bei gleicher Körpergröße stark unterscheiden kann, wird nicht beachtet. Dabei können breitere Schultern, ein insgesamt breiteres Knochengerüst oder bei Frauen die Größe der Brüste den BMI beeinflussen.

Weshalb der BMI dennoch eingesetzt wird

Entwickelt wurde der BMI eigentlich, um statistische Vergleiche zwischen großen Menschengruppen zu ermöglichen - etwa den Ernährungszustand zweier Völker zu vergleichen. Im Laufe der Zeit entwickelte er sich dann aber immer mehr zu einem Standardmaß für die Bewertung des Körpergewichts.

Der Hauptgrund dafür liegt in der Einfachheit - während eine umfassende Körperanalyse viel Zeit und Aufwand kostet, ist der BMI innerhalb einer Minute berechnet. Bei einem Teil der Bevölkerung sind die Ergebnisse auch durchaus aussagekräftig - gerade Sportler fallen aber häufig aus dem Rahmen. Deshalb lernen Fitnesscoaches in der Fitnesstrainer Ausbildung auch andere Möglichkeiten kennen, um das Körpergewicht zu bewerten.

Denn um einen passgenauen Plan für einen Sportler erstellen zu können, ist der BMI wenig hilfreich - ohne etwa den Körperfettanteil zu kennen, wird eine Bewertung nahezu unmöglich. Neben dem BMI wird in der Personal Trainer Ausbildung, zum Beispiel der Trainer A-Lizenz, deshalb auch gelehrt, wie eine umfassende Analyse des Körpers durchgeführt wird. Und zu der gehört dann natürlich auch der BMI.

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Über den Autor
Autorenbild Ulrich Pötter
Ulrich Pötter

Der Autor Ulrich Pötter ist selbst staatlich anerkannter Therapeut und Präventionsexperte. Seit über 20 Jahren beschäftigt er sich mit innovativen Ausbildungskonzepten in den Bereichen Massage, Fitness, Wellness, Heilpraktik und Prävention. Er hat fünf professionelle Akademien gegründet, bei denen er auch heute noch Geschäftsführer und Direktor ist.

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