Tennisarm: Übungen, die die Sehne wirklich belasten dürfen
Ein Tennisarm ist eine Verschleißreaktion der Sehnenansätze an der Außenseite des Ellenbogens – fachlich Epicondylitis humeri radialis. Typisch sind Schmerzen beim Zugreifen, beim Händedruck und beim Anheben einer Tasse. Der entscheidende Punkt: Es steckt meist keine Entzündung dahinter, deshalb bringt reine Schonung nichts. Wirksam sind dosierte, langsam ausgeführte Belastungsübungen für die Unterarmstrecker, dazu eine angepasste Belastung im Alltag. Ernste Ursachen lassen Sie vorher ärztlich ausschließen.
Key Facts – Tennisarm
- Was: schmerzhafte Reizung der Sehnenansätze der Handstrecker am äußeren Ellenbogenknorren. Fachbegriff Epicondylitis humeri radialis, im ICD-10 als M77.1 geführt.
- Typisch: Schmerz an der Außenseite des Ellenbogens mit Ausstrahlung in den Unterarm, verstärkt beim Zugreifen, beim Händedruck und beim Anheben einer Tasse.
- Keine Entzündung: trotz der Endung „-itis" findet sich im Gewebe meist kein Entzündungsprozess, sondern eine Umbau- und Verschleißreaktion – fachlich Tendinopathie.
- Häufigste Auslöser: Maus und Tastatur, Handwerk, Gartenarbeit, Tragen und Heben. Tennis ist die Ausnahme, nicht die Regel.
- Selbst tun: Belastung anpassen statt einstellen, exzentrisches Training der Unterarmstrecker, dehnen, ausrollen, Griffkraft dosiert aufbauen.
- Gegenspieler: der Golferarm (Epicondylitis humeri ulnaris) sitzt an der Innenseite des Ellenbogens und betrifft die Beugesehnen.
- Dauer: hartnäckig – häufig mehrere Monate. Mit konsequentem, dosiertem Üben bessern sich die Beschwerden bei den meisten Betroffenen deutlich.
Was Sie bei einem Tennisarm selbst tun können
Die wichtigste Nachricht zuerst, und sie widerspricht dem, was die meisten Betroffenen erwarten: Beim Tennisarm ist reine Schonung der falsche Weg. Die Endung „-itis" legt eine Entzündung nahe, doch Gewebeuntersuchungen zeigen etwas anderes – die Sehnenansätze reagieren auf jahrelange Überlastung mit einem Umbau. Kollagenfasern verlieren ihre geordnete Ausrichtung, die Zugfestigkeit sinkt. Dieses Gewebe braucht keinen Stillstand, sondern einen Reiz, der es zum Neuaufbau anregt.
Genau das leistet dosierte, langsame Belastung. Besonders gut untersucht ist das exzentrische Training: Die Muskulatur arbeitet dabei bremsend, während sie nachgibt – also beim langsamen Absenken eines Gewichts, nicht beim Anheben. Der Reiz darf spürbar sein, aber am nächsten Morgen keine Verschlechterung hinterlassen. Nehmen Sie sich täglich zehn bis fünfzehn Minuten:
- Belastung anpassen statt einstellen. Streichen Sie nur die Bewegung, die den Schmerz zuverlässig auslöst – etwa das Anheben mit gestrecktem Arm und Handrücken nach oben. Heben Sie Gegenstände mit der Handfläche nach oben und dicht am Körper. Völlige Ruhe schwächt die Sehne weiter.
- Exzentrische Handgelenkstreckung. Unterarm auf dem Tisch, Handrücken nach oben, Hand ragt über die Kante. Mit einem leichten Gewicht von 0,5 bis 1 Kilogramm die Hand nach oben führen, dann über drei bis vier Sekunden ganz langsam absenken. Das Anheben übernimmt die gesunde Hand, das Absenken die betroffene. Drei Sätze mit fünfzehn Wiederholungen, täglich.
- Unterarmstrecker dehnen. Arm nach vorn strecken, Handfläche nach unten, mit der anderen Hand das Handgelenk sanft nach unten und leicht nach innen ziehen. Dreißig Sekunden halten, dreimal, nach dem Kräftigungsteil. Ein Ziehen ist erwünscht, ein scharfer Schmerz ist ein Stoppzeichen.
- Unterarm ausrollen. Legen Sie den Unterarm auf einen Tisch und rollen Sie mit einem Faszienball oder einer kleinen Rolle langsam die Streckerseite ab – von der Handgelenksmitte bis knapp unter den Ellenbogen. Den schmerzhaften Sehnenansatz selbst sparen Sie aus, gearbeitet wird im Muskelbauch. Zwei Minuten pro Seite.
- Griffkraft dosiert aufbauen. Beginnen Sie mit einem weichen Ball oder einem Knetring: zehn Sekunden halten, zehn Wiederholungen. Steigern Sie den Widerstand erst, wenn die Übung zwei Wochen beschwerdefrei gelaufen ist. Die Greifkraft ist beim Tennisarm messbar herabgesetzt – ihr Wiederaufbau ist ein guter Fortschrittsmarker.
- Arbeitsplatz und Werkzeuggriffe prüfen. Maus näher an den Körper, Handgelenk gestützt und gerade, Tastatur flach. Bei Werkzeug und Sportgerät gilt: dickere Griffe verteilen die Kraft auf mehr Muskelfasern und senken die Zugspannung am Sehnenansatz. Ein Griffband kostet wenig und wirkt sofort.
Rechnen Sie in Wochen, nicht in Tagen. Sehnengewebe baut sich langsam um, sichtbare Fortschritte zeigen sich meist erst nach vier bis sechs Wochen. Nimmt der Schmerz am Sehnenansatz von Einheit zu Einheit zu, war die Dosis zu hoch – reduzieren Sie Gewicht und Wiederholungen, statt abzubrechen.
Ergänzend lohnt der Blick auf das Bindegewebe des Unterarms: Die Streckmuskeln liegen in derben Faszienhüllen, die bei monotoner Belastung an Gleitfähigkeit verlieren. Wie eine Behandlung dieser Gewebeschichten aussieht, zeigt der folgende Ausschnitt.
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Sie erhalten den Ratgeber im Anschluss an die Anmeldung zu unserem Newsletter. Abmeldung jederzeit mit einem Klick.Symptome: woran Sie einen Tennisarm erkennen
Der Tennisarm hat ein charakteristisches Muster, das ihn von anderen Ellenbogenbeschwerden gut unterscheidbar macht. Der Schmerz sitzt an der Außenseite des Ellenbogens, meist auf einen Punkt genau zeigbar – dort, wo die Sehnen der Handstrecker am Knochen ansetzen. Von diesem Punkt zieht er in den Unterarm hinein, gelegentlich bis zum Handrücken, praktisch nie über den Ellenbogen hinaus zur Schulter.
Auffällig ist, dass nicht der Ellenbogen selbst die Beschwerden auslöst, sondern die Hand. Betroffene berichten von Alltagsmomenten, die alle dasselbe verlangen: kraftvolles Zugreifen bei gestrecktem Arm. Zu Beginn schmerzt es nur dabei, später auch danach, in fortgeschrittenen Fällen bei einfachen Handgriffen. Am häufigsten genannt werden:
- Punktueller Druckschmerz am äußeren Ellenbogenknorren, mit dem Finger genau zeigbar und bei Berührung deutlich auslösbar
- Ausstrahlung in den Unterarm entlang der Streckerseite, von manchen als Ziehen, von anderen als brennendes Stechen beschrieben
- Schmerz beim Zugreifen und beim Händedruck zur Begrüßung – ein klassisches Erstsymptom
- Schmerz beim Anheben einer Tasse oder eines Wasserglases, besonders mit gestrecktem Arm und Handrücken nach oben
- Beschwerden beim Tragen von Einkaufstaschen, beim Auswringen eines Tuchs oder beim Aufdrehen eines Schraubdeckels
- Kraftverlust der Hand, eher schmerzbedingt als echte Schwäche – Gegenstände fallen aus der Hand, weil der Griff nachgibt
- Morgensteifigkeit im Unterarm, die sich nach einigen Bewegungen löst, sowie Nachschmerz am Abend
Laien beschreiben dieselbe Beschwerde mit ganz unterschiedlichen Worten: „Sehnenscheidenentzündung im Arm", „Ellenbogen entzündet", „Muskel im Unterarm überdehnt", „Mausarm". Der Begriff Mausarm kommt der Sache am nächsten, weil er den häufigsten Auslöser benennt. Gemeint ist meist derselbe Zusammenhang: überlastete Sehnenansätze am äußeren Ellenbogen.
Wann Sie zum Arzt gehen sollten
Ein Tennisarm hinterlässt keine Folgeschäden – aber nicht jeder Schmerz am Ellenbogen ist ein Tennisarm. Nervenengpässe, Infektionen, Brüche und Gelenkerkrankungen können ein ähnliches Bild machen und brauchen eine andere Behandlung. Die folgenden Zeichen gehören ärztlich beurteilt, bevor Sie mit Eigenübungen beginnen:
- Kraftverlust mit Taubheit oder Kribbeln im Unterarm, in der Hand oder in einzelnen Fingern – Hinweis auf eine Beteiligung von Nerven, etwa eine Einengung des Speichennervs oder des Ellennervs
- Schwellung, Rötung, Überwärmung und Fieber am Ellenbogen – Verdacht auf einen Infekt oder eine eitrige Schleimbeutelentzündung, das gehört umgehend abgeklärt
- Schmerz nach einem Sturz oder direkter Gewalteinwirkung – Verdacht auf Bruch, Sehnenriss oder Bandverletzung
- Nächtlicher Ruheschmerz, der ohne jede Belastung auftritt und aus dem Schlaf weckt – bei einer reinen Überlastungsreaktion untypisch
- Sichtbare Fehlstellung, Blockade oder plötzliche Bewegungssperre des Ellenbogens, auch ein hörbares Schnappen mit sofortigem Kraftverlust
- Allgemeinsymptome wie Nachtschweiß, unerklärter Gewichtsverlust oder Gelenkschmerzen an mehreren Gelenken gleichzeitig
Auch ohne diese Warnzeichen ist eine Abklärung sinnvoll, wenn sich nach sechs bis acht Wochen konsequenter Eigenübung nichts bessert oder die Beschwerden zunehmen. Eigenübungen ersetzen keine Diagnose – wer eine klare Einordnung hat, übt anschließend zielsicherer.
Ursachen: warum die Sehnenansätze überlastet werden
Am äußeren Ellenbogenknorren, dem Epicondylus lateralis, setzen die Muskeln an, die Hand und Finger strecken; am häufigsten betroffen ist der Musculus extensor carpi radialis brevis. Jedes kraftvolle Zugreifen spannt diese Sehnen an, weil das Handgelenk dabei stabilisiert werden muss. Wiederholt sich das tausendfach, überholt der Verschleiß die Reparatur.
Bildschirmarbeit – der häufigste Auslöser
Maus und Tastatur verlangen keine große Kraft, aber eine Dauerspannung: Die Hand wird über Stunden leicht gestreckt gehalten, die Finger klicken tausendfach. Genau diese niedrige, endlose Belastung setzt den Sehnenansätzen mehr zu als eine einmalige Kraftanstrengung. Deshalb ist der „Mausarm" der klassische Tennisarm unserer Zeit – bei Menschen, die nie einen Schläger in der Hand hatten.
Handwerk, Garten und Haushalt
Schrauben, hämmern, malern, Hecken schneiden, Unkraut ziehen, Möbel montieren: Alle diese Tätigkeiten kombinieren festes Zugreifen mit Drehbewegungen des Unterarms. Typisch ist der Beschwerdebeginn nach einem Wochenende mit ungewohnter Arbeit. Nicht die Tätigkeit an sich ist das Problem, sondern der Sprung in der Belastungsmenge.
Sport und Technikfehler
Beim Tennis ist die einhändige Rückhand mit zu spätem Treffpunkt der klassische Auslöser, dazu ein zu dünner Griff, eine zu harte Bespannung oder schwere, nasse Bälle. Betroffen sind aber auch Kraftsportler mit viel Zugarbeit, Kletterer und Ruderer. Die Ursache liegt hier häufiger in Technik und Material als in der Trainingsmenge.
Der Umbau in der Sehne
Der wichtigste Punkt zum Verständnis: Was am Sehnenansatz passiert, ist keine Entzündung im klassischen Sinn. In Gewebeproben findet man keine Entzündungszellen, sondern ungeordnete Kollagenfasern, eingewachsene Gefäße und freie Nervenendigungen. Fachlich heißt das Tendinopathie oder Tendinose. Diese Unterscheidung ist nicht akademisch, sondern hat direkte Folgen: Entzündungshemmung und Ruhe greifen an der falschen Stelle an, Belastungsreize regen den Umbau an.
Begleitende Faktoren
Der Tennisarm tritt am häufigsten zwischen dem 35. und 55. Lebensjahr auf, weil die Sehnenqualität mit den Jahren nachlässt. Rauchen, Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen verschlechtern die Heilungsbedingungen von Sehnengewebe messbar. Auch eine steife Schulter oder ein verspannter Nacken spielen mit hinein, weil der Unterarm dann mehr Arbeit übernimmt als vorgesehen.
Tennisarm, Golferarm oder Nerv – wo liegt der Unterschied?
Drei Beschwerdebilder am Ellenbogen werden regelmäßig verwechselt, obwohl sie sich an einfachen Merkmalen auseinanderhalten lassen. Entscheidend ist die Frage: Wo genau sitzt der Schmerz, und welche Bewegung löst ihn aus? Die folgende Übersicht ordnet die drei ein.
| Beschwerdebild | Schmerzort | Auslösende Bewegung | Begleitzeichen |
|---|---|---|---|
| Tennisarm Epicondylitis humeri radialis | Außenseite des Ellenbogens, punktuell am äußeren Knorren | Zugreifen, Händedruck, Tasse anheben, Handgelenk gegen Widerstand strecken | Ausstrahlung in die Streckerseite des Unterarms, Griffkraft schmerzbedingt herabgesetzt, kein Kribbeln |
| Golferarm Epicondylitis humeri ulnaris | Innenseite des Ellenbogens, am inneren Knorren | Faust schließen, Handgelenk beugen, Wurf- und Schlagbewegungen, Schraubendrehen nach innen | Ausstrahlung in die Beugerseite des Unterarms bis zum Kleinfinger, seltener als der Tennisarm |
| Nerveneinengung am Ellenbogen z. B. Sulcus-ulnaris-Syndrom | Innenseite hinter dem Knorren, oft diffus statt punktuell | langes Beugen des Ellenbogens, Aufstützen, Schlafen mit angewinkeltem Arm | Kribbeln und Taubheit in Ring- und Kleinfinger, echter Kraftverlust, nachts betont – gehört ärztlich abgeklärt |
Als Faustregel gilt: Schmerz außen und beim Zugreifen spricht für den Tennisarm, Schmerz innen und beim Beugen für den Golferarm. Kommt Kribbeln oder Taubheit hinzu, ist ein Nerv beteiligt – dann sind Eigenübungen der falsche erste Schritt. Mischbilder sind nicht selten.
Diagnose: was in der Praxis passiert
Der Tennisarm ist meist eine klinische Diagnose – sie ergibt sich aus Gespräch und Untersuchung, ohne Gerät. Gefragt wird nach dem genauen Schmerzort, nach beruflichen und sportlichen Belastungen, nach dem Beginn der Beschwerden und nach Kribbeln oder Taubheit. Schon die Antwort auf „Welche Bewegung tut zuverlässig weh?" führt meist zur richtigen Einordnung.
Bei der Untersuchung wird der äußere Knorren abgetastet; dort lässt sich der bekannte Schmerz punktgenau auslösen. Es folgen einfache Widerstandstests: Streckung von Handgelenk und Mittelfinger gegen Widerstand, das Anheben eines Stuhls mit gestrecktem Arm und Handrücken nach oben. Zusätzlich werden Ellenbogen, Halswirbelsäule und Schulter mitbeurteilt sowie Gefühl und Kraft geprüft.
Bildgebung kommt gezielt zum Einsatz, nicht routinemäßig. Ultraschall kann Sehnenumbau, Verkalkungen und Flüssigkeit darstellen, ein Röntgenbild dient dem Ausschluss von Arthrose und Knochenveränderungen, eine Kernspinaufnahme bleibt Sonderfällen vorbehalten. Bei Kribbeln und Taubheit ist eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit der aussagekräftigere Weg.
Behandlungsmöglichkeiten im Überblick
Die Behandlung folgt der Erkenntnis, dass ein Umbauprozess und keine Entzündung vorliegt. Aktive Verfahren stehen deshalb an erster Stelle, passive Maßnahmen sind Wegbereiter: Sie senken den Schmerz so weit, dass Üben möglich wird. Wichtig ist ein realistischer Zeithorizont. Was Ärztinnen, Physiotherapeuten und Therapeuten typischerweise anbieten, lässt sich so ordnen:
- Belastungssteuerung und Aufklärung: die Grundlage jeder Behandlung – auslösende Bewegungen anpassen, Griffe verändern, Pausen strukturieren
- Exzentrisches Krafttraining und Physiotherapie: das am besten untersuchte Verfahren; angeleitet wird das Absenken, außerdem werden Ausweichbewegungen und Schulterstabilität mitbehandelt
- Bandage und Epicondylitis-Spange: eine Spange sitzt zwei bis drei Querfinger unterhalb des Ellenbogens und verlagert den Zugpunkt vom Sehnenansatz in den Muskelbauch. Sie kann bei belastenden Tätigkeiten kurzfristig entlasten, sollte aber nicht dauerhaft getragen werden, weil sie die Muskulatur der Arbeit entzieht
- Tapen: elastische Tapes können Schmerz und Spannungsgefühl subjektiv verringern und geben Bewegungsrückmeldung. Die Wirkung ist begleitend zu verstehen, nicht als eigenständige Behandlung
- Stoßwellentherapie: bei länger bestehenden Beschwerden eine Option, die Umbauprozesse anregen soll. Die Studienlage ist gemischt; sie wirkt am ehesten in Kombination mit Übungen
- Kortisonspritze: ehrlich eingeordnet – sie lindert den Schmerz kurzfristig oft deutlich, doch nach Monaten schneiden Behandelte in Studien schlechter ab als ohne Spritze, weil das Sehnengewebe weiter geschwächt wird. Mehrfache Injektionen gelten als ungünstig
- Schmerzmittel und lokale Anwendungen: entzündungshemmende Mittel als Gel oder Tablette können kurzzeitig nach ärztlicher Rücksprache die Übungsfähigkeit wiederherstellen
- Massage und Faszientechniken: können die Spannung der Unterarmmuskulatur senken und die Durchblutung anregen; sie wirken unterstützend und ersetzen keine ärztliche Abklärung
- Operation: Ausnahme nach sechs bis zwölf Monaten erfolgloser konservativer Behandlung – verändertes Sehnengewebe wird entfernt und der Ansatz entlastet
In der Praxis lohnt der Blick über den Ellenbogen hinaus. Verhärtungen in den Unterarmmuskeln leiten Schmerz zum Ellenbogen weiter; wie sich solche Punkte finden und behandeln lassen, beschreiben wir im Ratgeber zu Triggerpunkten. Verliert das Bindegewebe rund um die Muskelhüllen seine Gleitfähigkeit, entsteht zusätzlicher Zug am Sehnenansatz – die Zusammenhänge erklärt unser Beitrag zu verklebten Faszien. Weil Anspannung die Muskelgrundspannung messbar erhöht, ist die progressive Muskelentspannung bei hartnäckigen Verläufen eine sinnvolle Ergänzung.
Mein Expertenrat aus 20+ Jahren Praxis als staatlich anerkannter Therapeut: Beim Tennisarm arbeite ich fast nie direkt auf dem schmerzhaften Punkt. Der Sehnenansatz ist gereizt, dort noch kräftig hineinzudrücken bringt nur Abwehrspannung. Ich behandle den Muskelbauch der Strecker in der Unterarmmitte, dazu die Gewebeschichten darüber – und ich schaue immer, was Schulter und Nacken tun. Der zweite Punkt ist noch wichtiger: Wer täglich acht Stunden klickt, macht Zehntausende kleine Bewegungen. Gegen diese Zahl kommen zehn Minuten Übung nur an, wenn gleichzeitig Griffe und Arbeitsplatz verändert werden.
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Einem Tennisarm vorbeugen
Vorbeugen ist bei diesem Beschwerdebild besonders aussichtsreich, weil die Auslöser im Alltag liegen und damit veränderbar sind. Der wirksamste Hebel ist nicht mehr Kraft, sondern weniger Dauerspannung: Die Sehne verträgt hohe Lasten gut, aber keine monotone Halteanspannung über Stunden. Wer den Arbeitstag in Blöcke gliedert und zwischendurch die Hand öffnet, ausschüttelt und den Unterarm dehnt, senkt die Belastungssumme deutlich.
Am Arbeitsplatz zahlen sich vier Dinge aus: eine Maus, die die Hand nicht abknicken lässt, ein Handgelenk, das aufliegt statt zu schweben, eine flache Tastatur und ein Bildschirm auf Augenhöhe, damit Nacken und Schulter nicht gegenhalten müssen. Bei Werkzeug gilt: dicker greifen. Ein aufgeschobener Schaumstoffgriff an Schraubendreher oder Gartenschere verteilt die Kraft, ebenso ein Griffband am Schläger. Beim Sport lohnt eine Technikkontrolle mehr als jede Bandage.
Dazu gehört ein Grundmaß an Kraft. Zwei kurze Einheiten pro Woche für Unterarm, Schulterblatt und Rumpf halten die Sehne belastbar – regelmäßiges Faszientraining ergänzt das sinnvoll. Wer nach ungewohnter Arbeit einen ziehenden Unterarm bemerkt, reagiert am besten sofort mit Belastungspause und Dehnung. Welche Verfahren wobei helfen, ordnet unsere Übersicht der Massagearten ein.
Fazit
Der Tennisarm ist keine Entzündung, sondern eine Verschleiß- und Umbaureaktion der Sehnenansätze am äußeren Ellenbogen – fachlich Epicondylitis humeri radialis, abzugrenzen vom Golferarm an der Innenseite. Daraus folgt die wichtigste Konsequenz: nicht schonen, sondern dosiert belasten. Langsames Absenken eines leichten Gewichts, Dehnen, Ausrollen des Unterarms und ein schrittweiser Aufbau der Griffkraft sind die tragenden Bausteine, ergänzt durch veränderte Griffe und einen angepassten Arbeitsplatz. Spange, Tape und Stoßwelle können begleitend entlasten, eine Kortisonspritze lindert kurzfristig und ist längerfristig eher nachteilig. Bei Taubheit, Kribbeln, Fieber, Schwellung oder Schmerz nach einem Sturz gehört der Ellenbogen zuerst ärztlich beurteilt. Wenn Sie die Zusammenhänge fachlich verstehen möchten, ist unsere Ausbildung der passende nächste Schritt.
Fachlich weiterkommen
Häufige Fragen zum Tennisarm
Was ist ein Tennisarm genau?
Ein Tennisarm ist eine schmerzhafte Reizung der Sehnenansätze der Handstrecker am äußeren Ellenbogenknorren. Der Fachbegriff ist Epicondylitis humeri radialis, im ICD-10 wird sie als M77.1 geführt. Trotz der Endung „-itis" liegt meist keine Entzündung vor, sondern eine Umbaureaktion des Sehnengewebes, fachlich Tendinopathie oder Tendinose.
Wie lange dauert ein Tennisarm?
Er ist hartnäckig. Bei den meisten Betroffenen ziehen sich die Beschwerden über mehrere Monate hin, in einem Teil der Fälle über ein Jahr. Mit konsequentem exzentrischem Training und angepasster Belastung zeigen sich erste Fortschritte typischerweise nach vier bis sechs Wochen. Bessert sich nach sechs bis acht Wochen nichts, ist eine erneute ärztliche Beurteilung angezeigt.
Hilft Schonung bei einem Tennisarm?
Nur begrenzt. Sinnvoll ist es, die eine Bewegung zu vermeiden, die den Schmerz zuverlässig auslöst. Völlige Ruhe ist dagegen nachteilig: Sie schwächt die Sehne weiter und verlängert den Verlauf. Sehnengewebe braucht einen dosierten Reiz, um sich neu zu ordnen – deshalb steht langsames, kontrolliertes Belasten im Zentrum der Behandlung.
Was ist der Unterschied zwischen Tennisarm und Golferarm?
Der Tennisarm sitzt an der Außenseite des Ellenbogens und betrifft die Strecksehnen; er schmerzt beim Zugreifen und beim Strecken des Handgelenks gegen Widerstand. Der Golferarm, fachlich Epicondylitis humeri ulnaris, sitzt an der Innenseite und betrifft die Beugesehnen; er schmerzt beim Faustschluss, beim Beugen des Handgelenks und bei Wurfbewegungen. Der Tennisarm ist deutlich häufiger.
Bekommt man einen Tennisarm nur vom Tennis?
Nein, und Tennis ist sogar die Ausnahme. Die häufigsten Auslöser sind Arbeit an Maus und Tastatur, handwerkliche Tätigkeiten, Gartenarbeit, Montagearbeiten und häufiges Tragen. Gemeinsam ist ihnen wiederholtes Zugreifen bei angespanntem Handgelenk. Der Name ist historisch entstanden, weil das Beschwerdebild zuerst bei Tennisspielern beschrieben wurde.
Was bringt eine Epicondylitis-Spange oder eine Bandage?
Eine Spange wird zwei bis drei Querfinger unterhalb des Ellenbogens angelegt und verlagert den Zugpunkt vom gereizten Sehnenansatz in den Muskelbauch. Bei belastenden Tätigkeiten kann sie den Schmerz kurzfristig senken. Dauerhaftes Tragen ist nicht sinnvoll, weil die Muskulatur der Arbeit entzogen wird. Die Spange begleitet das Übungsprogramm, sie ersetzt es nicht.
Ist eine Kortisonspritze sinnvoll?
Sie lindert die Schmerzen kurzfristig oft deutlich. In Studien mit längerer Beobachtungszeit schneiden Behandelte nach mehreren Monaten allerdings schlechter ab als Menschen ohne Injektion, weil das Sehnengewebe zusätzlich geschwächt wird. Sie ist damit eine Option für besondere Situationen, keine Standardbehandlung – die Entscheidung gehört in ärztliche Hände, mehrfache Injektionen gelten als ungünstig.
Hilft eine Massage bei einem Tennisarm?
Massage kann die Spannung der Unterarmmuskulatur senken, die Durchblutung anregen und die Schmerzempfindung kurzfristig verringern. Sie wirkt damit unterstützend und schafft die Voraussetzung für das Üben. Auf dem gereizten Sehnenansatz selbst wird nicht kräftig gearbeitet. Bei Verdacht auf eine Nervenbeteiligung, einen Infekt oder eine frische Verletzung ist vorher eine ärztliche Freigabe erforderlich.
Was kostet die Behandlung?
Bei medizinischer Notwendigkeit übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung Diagnostik und verordnete Physiotherapie; es fällt die gesetzliche Eigenbeteiligung an. Stoßwellentherapie wird häufig als Selbstzahlerleistung angeboten, je Sitzung meist zwischen 40 und 100 Euro. Eine Epicondylitis-Spange kostet etwa 15 bis 40 Euro, ein leichtes Kurzhantel-Set und ein Faszienball zusammen unter 30 Euro.

